Geschichte vom Herd

 

In der "Grossen Welt" brachte die Nahrungszubereitung über dem offenen Feuer viele

Unannehmlichkeiten mit sich:

Die benötigte Energiemenge durch Brennholz war sehr gross.

Durch das offene Feuer war die Luft dauern verrust und verraucht.

Die Köchin war ständig der abstrahlenden Hitze ausgesetzt.

Durch Funkenflug war es leicht möglich, dass das Feuer ausser Kontrolle geraten konnte, es musste also gut überwacht werden.


Alte Schwarzküche mit Küchengerät (Bildquelle: Wikipedia)

Deshalb wurde schon recht früh versucht, ein effizientes und arbeitsfreundliches Gerät zum Kochen zu entwickeln. Erstmals gelang dies gegen 1800.
Gleichzeitig hatten mehrere Personen, unter ihnen Benjamin Thompson- besser bekannt als Graf von Rumford- die Idee, dass das Kochen über geschlossenen Feuerraum wesentliche Vorteile mit sich bringen würde.
Die Luftzufuhr war gezeilt möglich, das Feuer konnte nun in engem Raum konzentriert werden, Abgase geregelt abgeleitet und die abstrahlende Wärme gespeichert und so besser ausgenutzt werden.

Nach diesen Prinzipien konnte die ersten Sparherde entwickelt werden.

Diese Sparherde wurden in verschiedenen Varianten gebaut, einmal als Kasserole-Herde, bei denen die Töpfe durch Öffnungen in der Herdplatte tief in den Feuerraum eingelassen wurden, zum anderen die gekachelten Plattenherde, die im Unterschied zum Kasserole Herd eine Anzahl von konzentrischen Ringen in der Herdoberfläche hatte, die je nach Topfgröße herausgenommen werden konnten.

In Deutschland wurde ca. ab 1840 verstärkt an der Entwicklung von Kochmaschinen gearbeitet, in den letzten Jahrzehnten hatte sich das Kochen über dem geschlossenen Feuerraum in den meisten Haushalten durchgesetzt.

 

Kochmaschine um 1820 auf Schloss Chenonceau (Bildquelle: Wikipedia )

 


Um die Jahrhundertwende 1900 fand das
Koche mit Gas seinen Weg vor allem in Stadtküchen.
Elektrisches Kochen kam kurz vor 1900 in Mode, zusammen mit dem Gaskochen verdrängte das Kochen mit Strom aber erst zwischen den beiden Weltkriegen die Nahrungszubereitung über Holz-und Kohlefeuer.

Geschichte vom Puppenherd



In der Puppenküche hielten die eisernen Kochmaschinen ab ca. 1830 vereinzelt Einzug, eine grössere Verbreitung fand erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts statt.
Um diese Zeit sind Abbildungen in verschiedenen Spielzeug Müsterbüchern zu finden.
Ganz frühe Puppenherde weisen einige unverwechselbare Merkmale auf:

Die Produktion in Handarbeit ist anhand der einfachen Verarbeitung und der scharfen Kanten ersichtlich. Geprägte Muster kommen nicht vor.

Die Füsse der Herde sind kugelig oder von anderer, einfacher Form, teilweise besitzen diese Herde auch gar keine Füsse.

Der Schornstein besitzt keine Kaminkrone sonder ein sogenanntes rundes "Blechauge" oder keinen Abschluss.

Die Topfdeckel sind hoch und treppenartig gearbeitet.


Jüngere Herde wurden wesentlich aufwändiger gestaltet, üppige Prägungen und Löwenfüsse sind ein Hinweis auf eine spätere Fertigung ab. ca. 1870.

Nach 1900 wurden die geschwungenen Füsse mit den Löwentatzen allmählich durch Beine mit mehr oder weniger gerader Form abgelöst, der Herdkörper an sich war jedoch weiterhin von den früheren Herden kaum zu unterscheiden.
Zu dieser Zeit war das Angebot an Puppenherden enorm gross und die Vielfalt der Modelle überwältigend.
Ab Ende der 20er Jahre kamen die hellen, cremefarbenen oder weissen Puppenherde mit den schlichteren oder ganz geraden Beinen in Mode.

Obwohl es für den heutigen Sammler nahezu undenkbar ist, eine Puppenküche ohne den passenden Herd einzurichten, war es früher oft üblich, dass die Spielküchen entweder gar keinen Herd im Gehäuse hatten oder nur eine kleine Herdatrappe, auf der es nicht möglich war zu kochen.
Gekocht wurde dann auf einem grossen, richtig funktionierenden Puppenherd, der neben das Küchengehäuse gestellt wurde.

Beheizt wurden Puppenherde entweder mit einem Talglicht, einer Kerze, das Kocherlebnis hielt sich hier jedoch in Grenzen.
Richtiges kochen war mit dem Spirituabrenner, der "Weingeistlampe" möglich, der am weitesten verbreitete Wärmequelle bei Puppenküchenherden. Wegen der Gefährlichkeit war es aber erst grösseren Mädchen gestattet,selbsständig mit dieser Flamme umzugehen. In manchen Puppenkochbüchern wird ausdrücklich auf die Gefahren der Weingeistlampe hingewiesen.
1902 wurde von der Firma Märklich ein Puppenherd für Gasbetrieb auf den Markt gebracht.
Da heutzutage nur relativ wenig Gasherde zu finden sind liegt die Vermutung nahe, dass sich diese Herde entweder keiner grossen
Beliebtheit erfreut hatten oder dass sie sich mit einem dumpfen Knall in Wohlgefallen aufgelöst haben! grosses Grinsen (ich glaub an dieser Formulierung muss ich noch feilen... grosses Grinsen Kopfkratz )
Einer der frühesten elektrifizierten Herde stammt aus der Zeit kurz vor 1900, eine größte Verbreitung hatten diese Herde ab ca. den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Puppenherde wurden aus vielerlei Materialien und Materialkombinationen hergestellt. Am meisten wurde sicherlich Schwarzblech verwendet, oft kombiniert mit Messing für die Türen. Oftmals wurde bei diesen Herden ein Kachelmuster durch Prägen imitiert. Herde aus Weissblech sind seltener zu finden und wenn dann meistens in lithographierter Ausführung. Auf diese Art wurde z.B. ein Kachelmuster imitiert.
Herde mit echten Keramikkacheln sind sehr selten und wohl der Traum eines jeden Sammlers.
Vereinzelt kann man auch emaillierte Herde finden die ein sehr schönes dekoratives Muster aufweisen.
Herde aus Metallguss erkennt man ganz einfach anhand ihres Gewichts, sie waren zum Kochen sicher besonders gut geeignet, da das schwere Material die Wärme lange speichern konnte.

Puppen- und Puppenstubenherde bilden ein eigenständiges Sammelgebiet und werden auch unabhängig von der Puppenküche gesammelt.
Zu den bei Sammlern begehrtesten Puppenherden zählen die der Hersteller Märklin und Bing..Weitere bekannte Hersteller dieser Herde waren die Firmen Fischer, Prager, Kreher und Dieterichs.

Von Märklin wurden übrigens vor einigen Jahren Neuauflagen alter Puppenherde herausgebracht, in anbetracht der Verfälschungen, die es im Spielzeugbereich allgemein gibt, sollte man dies im Hinterkopf behalten und gut aufpassen, ob man einen wirklich alten oder einen neu und auf alt gemachten Herd kauft.

 

(Quellen Text: "Lirum.Larum.Löffelstiel-Die Puppenküche im Wandel der Zeiten"   "Puppenküchen 1800-1980", Eva u. Severin Stille   " Puppenküche und Puppenherd   in drei Jahrhunderten"  Sabine Reinelt  Quelle Bilder: "Wikipedia")

 

Zurück zur Hauptseite

Weiter mit: Großer Märklin Herd